Experimenteller Hochdruck und Fotorecherche "Stadt in der Stille"

Experimenteller Hochdruck und Fotorecherche "Stadt in der Stille"

Aufgabe für Klasse 6: Experimenteller Hochdruck zum Thema „Wo die wilden Kerle wohnen…“

Hochdruck zu vermitteln ist Auftrag des Lehrplans für Klasse 6. Normalerweise hätten die Schüler einen Linolschnitt angefertigt. Dabei brauchen sie aber bestimmte Werkzeuge, Anleitung und Aufsicht durch den Kunstlehrer.

Als Alternative für das Lernen zuhause dient hier der experimentelle Hochdruck mit gefundenen Materialien und Wasserfarben. Das können die Schüler ohne Hilfe zuhause durchführen, es macht viel Spaß und der Lehrplan ist auch erfüllt.

Zuerst erstellen die Schüler eine Legende mit verschiedenen Materialien. Was druckt wie: Fingerabdrücke ergeben die wilden Kerle, aus abgerollten Münzen entstehen Wellen, das zerknüllte Zeitungspapier druckt eine Wolke, aus Blättern wird ein Wald gedruckt, der sternförmige Kartoffeldruck ergibt das Bild des Corona-Virus.

Ein Schüler kommt auf die Idee eine kleine Bildergeschichte über die aktuelle Corona-Krise zu entwickeln: Eine Familie von wilden Kerlen zuerst frei und fröhlich am Strand, sie schwimmen zunächst durchs Wasser. Dann kommt vom Himmel die Bedrohung durch das Virus, auf dem nächsten Bild müssen alle Masken tragen und auf dem letzten Bild sind alle traurig im Haus eingeschlossen.

Kunst-LK, Q1: Fotografie zum Thema: Stadt in der Stille, Köln in Zeiten der Corona-Krise

In der Zeit vom 24.3. bis 20.4.2020 beobachten die Schüler den veränderten Stadtraum und machen Fotos in der Art des zeitgenössischen Foto-Künstlers Thomas Struth. Zuvor haben sie sich mithilfe von (durch den Lehrer) vorgegebenen Filmen über ihn informiert. Eine Reihe von stimmungsvollen und  aussagestarken Fotos entsteht.

 

 

Im zweiten Schritt wählen die Schüler das Foto eines Mitschülers aus und schreiben dazu eine kurze analytische Besprechung des Bildes.

Marlene beispielsweise schreibt zum Foto von Than Ly:

Dass das Corona Virus unsere Welt verändert, macht sich mittlerweile überall bemerkbar. Die plötzlichen Umstellungen und die Abwesenheit von Gemeinsamkeit und Geselligkeit machen sich ganz besonders auf Kölns Straßen bemerkbar. Die Fotografie übermittelt besonders stark die Einsamkeit, welche viele Menschen zurzeit verspüren. Das Bild wird deutlich in zwei Hälften geteilt durch das Gebäude links. Die Aufteilung wird auch durch das hell-dunkel Verhältnis eingehalten und zeigt somit eine geradlinige Trennung zwischen der Mauer und ihrem Schatten und dem hellen Himmel und der Straße. Das Gefühl der Einsamkeit wird durch die menschenleere Straße rechts und den grauen Himmel erzeugt. Sie unterstreichen besonders den Eindruck, die Stadt sei verlassen. Das Gefühl wird weiter betont durch die vielen Sticker an der Mauer links, da sie zeigen, dass dort normalerweise viele Menschen vorbeikommen und es sich um einen belebten Ort handelt. Der Fluchtpunkt befindet sich hinter der Mauer und ist somit nicht sichtbar für den Betrachter, dies erzeugt ein Gefühl von Orientierungslosigkeit, welches durch die undeutliche Lichtquelle im Hintergrund bestärkt wird. Das Mittel der Schwarzweißfotografie lässt die Szene noch zusätzlich einsam und trist wirken.

 

 

Jana schreibt zum Foto von Nina P.:

Das Bild zeigt eine Kreuzung, welche frei von Autos oder Personen ist. Es wird in der Mitte von einer Straßenbahnleitung zwischen Himmel und Straße getrennt. Außerdem sieht man ein paar Gebäude, welche durch ihre Helligkeit aus der schwarz-weißen Situation herausstechen. Im Gesamten wirkt es sehr düster und durch die großen, freien Flächen unbelebt und ruhig. Auch die Weite sowie die parallelen und deutlichen Richtungstendenzen und Formen bringen Ruhe in das Bild. Die eintönige Farbgebung und die niedrigen Kontraste lassen das Bild leblos wirken. Trotzdem schafft die düstere Atmosphäre eine bedrückende Stimmung. Außerdem kommt es einem durch die Leere und Ruhe so vor, als wäre die Zeit stehen geblieben und man wartet spannungsvoll darauf, dass etwas diesen Zustand unterbricht und wieder Farbe und Leben in die Situation bringt.

 

 

Im nächsten Schritt beziehen die Schüler ihre Erfahrungen auf Aussagen des Fotokünstlers Thomas Struth.

Dazu schreibt Than Ly:

Thomas Struth sagte, dass die Straße ein Phänomen sei, das alle betrifft (Thomas Struth: Kontaktabzüge, Arte). Damit könnte er meinen, dass die Straßen unsere Situation der Gesellschaft darstellen. Denn Straßen spiegeln unsere Aktivität bzw. Inaktivität, wie in der jetzigen Situation, wider. Die Straße ist etwas, was jeder tagtäglich begeht, und sie betrifft demnach auch uns alle. Je nach Situation kann man der Straße ablesen, wie die Menschen sich fühlen. Sind Straßen gefüllt, so ist das ein Zeichen, dass die Menschen sich draußen wohl fühlen. Ist es menschenleer, dann muss etwas Ungewohntes passiert sein, dass die Menschen sich nicht auf der Straße wohl fühlen. Das Zitat „Die Straßen stehen für mich für das Unbewusste der Menschen“ (ebd.) meint ähnliches. Die Straßen zeigen nämlich das Verhalten der Menschen und wie sie sich zurzeit fühlen. Das Unbewusste wird meist durch Merkmale geäußert, die man indirekt entnehmen kann. So bedeuten menschenleere Gassen beispielsweise, dass dem Menschen etwas widerfährt, sodass er nicht mehr hinausgeht. Das Unbewusste, oder die Absicht des Menschen wird somit gezeigt. Das Unbewusste kann man so nicht direkt hören, sondern durch die Straße wird es herausgelesen.

D. Seidel

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