„KLS goes green“ meets „KLS goes history“

„KLS goes green“ meets „KLS goes history“

 

Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns in den Projektkursen Geschichte mit der Erforschung der Geschichte der KLS, bisher noch konzentriert auf die Zeit der NS-Diktatur. Sichtbarstes Zeichen dieser Beschäftigung sind die Stolpersteine, die vor dem Haupteingang liegen.

Wer in diesen Tagen den Haupteingang betritt, sieht aber noch ein weiteres deutliches Zeichen für den Fortgang von Schulprojekten. Ausgehend vom ersten Aktionstag „KLS goes green“ und der Planungsarbeit der damaligen, sehr engagierten Gruppe von Schülerinnen und Schülern von der 5 bis zur Q 2 haben wir begonnen, die Schulbegrünung in Angriff zu nehmen. Das war bisher viel Arbeit, aber wir können zufrieden sein. Dazu gibt es hier vielleicht demnächst noch mehr Informationen.

Inzwischen haben wir den zweiten Abschnitt in Angriff genommen, den Zaun zum Parkplatz am Basketballfeld. Hier war alles noch viel schlimmer: Der Boden besteht im Wesentlichen aus Bauschutt, alles war total überwuchert, der Zaun kaum mehr zu sehen, im Boden jahrzehntealte Wurzelstrünke. Und so haben wir die wahre, die tiefe Berechtigung der Lebensweisheit gespürt: „Vor den Erfolg hat der Herrgott den Schweiß gesetzt“. Wir haben mit Machete und Heckenschere die Geißel des Gärtners gerodet: den Schlingknöterich. Dann haben wir mit dem Spaten die Wurzelstrünke aus dem Boden gebrochen. Und schließlich haben wir nicht gepflanzt, sondern gesät: und zwar eine Zauberpflanze namens Phacelia. Wer möchte, mag sich einmal informieren, was es mit dieser Pflanze auf sich hat und warum sie uns gut erschien.

Während der Arbeit ergab sich, was immer passiert, wenn man in Köln einen Spaten in die Erde steckt:  Wir stießen auf „archäologische Funde“. Das ist in einer Stadt wie Köln mit ihrer über 2000jährigen Geschichte wenig überraschend, hier ist alles ein historischer Ort und das gilt natürlich auch für die KLS.

Wobei wir gleich differenzieren müssen, denn es gibt ja die neue, heutige KLS an der Alten Wallgasse. Und es gab die alte, historische KLS an der St. Apern-Straße. In römischer Zeit lag der Standort beider Schulen extra muros – außerhalb der Stadtmauern und damit der eigentlichen „Stadt“ mit ihrer Fläche von knapp 1 km². Sie verlief, wie heute anhand der Römertürme noch unschwer zu erkennen ist, vom Dom entlang der Magnusstraße, dann entlang der St. Apern-Straße bis zum Neumarkt, wo sich das große Westtor der Kolonie befand. Wie bei allen römischen Städten befand sich hier vor den Mauern alles, was stank oder gefährlich war: Gerbereien, Färbereien, Glashütten, Schmieden. Und die Friedhöfe, denn Tote durften nicht innerhalb der Stadt bestattet werden. Und so steht die KLS über einem großen römischen Gräberfeld, das sich bis zur Kirche St. Gereon erstreckt. Aus dem ganzen Areal stammt dementsprechend eine Vielzahl römischer Funde – vielleicht lesen Sie demnächst hier noch mehr zu diesem Thema.

Im Mittelalter befand sich der Standort der Schulen dann schon ganz knapp intra muros – innerhalb der Stadtmauer, denn sie verlief entlang der Ringe. Und heute liegt er fast unmittelbar im Zentrum einer Metropole, deren Fläche inzwischen 405 km² beträgt.

Zurück zu den „archäologischen Funden“ unserer Parkplatzaktion. Sie sind – zugegebenermaßen – nicht so wahnsinnig spektakulär: ein ausgebleichter Fetzen einer Mathematikhausaufgabe – ein Teil eines Baustellenplakats (?) aus den 90ern – ein Zettelfetzen unklarer Zuordnung, dem Schrifttyp nach aus den 50er oder 60er Jahren. Und ein paar alte Ziegelsteine, nach Aussehen und Zustand ganz sicher aus der Vorkriegszeit. Sie könnten durchaus von der Vorkriegsbebauung stammen, und das brachte uns auf die Frage, was sich hier vor dem Neubau „unserer“ KLS im Jahr 1959 befunden haben mag.

Köln ist im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört worden – wir alle kennen vielleicht die Luftaufnahmen vom Kölner Dom, der einsam aus einer gigantischen Trümmerwüste aufragt. In der Innenstadt lag die Zerstörungsrate der Gebäude bei 90%. Das kann man heute gerade im Umfeld der KLS noch deutlich sehen. Vom Beginn der Alten Wallgasse an der Magnusstraße bis zum Ende des Abrissgeländes unserer alten „Zweigstelle“ Palmstraße einerseits, bis zur St. Apern-Straße andererseits findet sich kein Vorkriegsbau mehr – hier wurde alles zerstört, nach dem Krieg abgerissen und überbaut.

Wie es hier vor dem Krieg ausgesehen haben könnte, das kann man zum Beispiel noch am Friesenwall sehen, hier ist seltsamerweise die Bebauung fast vollständig erhalten.

Am Erich-Klibansky-Platz hinter der KLS, dem ehemaligen Schulhof des jüdischen Realgymnasiums Jawne, ist alles neu gebaut – nur eines hat den Krieg überlebt: der riesige Kastanienbaum vor dem Pulman-Hotel. Wo heute das Pulman-Hotel steht, befand sich vor dem Krieg die alte KLS. Und wo sich heute die neue KLS befindet – was war da? Diese Frage stellte sich uns angesichts der alten Ziegel, die wir auf dem Parkplatz aus dem Boden geholt haben.

Und hier schließ sich ein wenig der Kreis und wir können die beiden eingangs beschriebenen Projekte zusammenführen. Über unsere Arbeit an der Schulgeschichte sind wir auf Recherchemöglichkeiten gestoßen, die uns bisher bei der Erforschung der Opferbiographien hilfreich waren, die uns jetzt aber auch Antworten auf diese spontane Frage geben können.

So sind die historischen Adressbücher Kölns aus dem Greven-Verlag fast lückenlos ab dem Jahr 1901 online verfügbar, und trotz ihres unspektakulären Charakters kann man aus ihnen eine Menge erfahren.

Schauen wir beispielsweise ins Jahr 1930, dann sehen wir eine Straße mit dichter Wohn- und Geschäftsbesiedlung. Unter der Adresse „Alte Wallgasse 8-10“ waren mindestens 20 Haushalte gemeldet – gewohnt hat hier sicher ein Vielfaches dieser Personenzahl. Uns begegnet eine Vielzahl verschiedener Berufe: Küchenmeister, Photograph, Lackierer, Kaufmann, Schreiner, Montierer, Vergolder, eine Opernsängerin mit dem klangvollen Namen Sophie Mazzocchi, ein Glasmaler, ein Lagerarbeiter, eine Schneiderin. Ob manche von ihnen hier nur wohnten oder auch ihr Geschäft hatten, wird nicht eindeutig klar. Definitiv werden aber auch Betriebe und Geschäfte genannt, die hier ansässig waren: eine Ölhandlung, eine Dreherei, eine Beleuchtungskörperhandlung, eine Druckerei.

Nicht ganz sicher ist, ob sich die damalige Alte Wallgasse 8-10 auch genau dort befindet, wo heute die Nummer 10 ist. Denn durch die Kriegszerstörungen hat sich nicht nur die Bebauung geändert, sondern teilweise auch der Straßenverlauf. Wo heute der Lehrerparkplatz ist, war 1930 die Magnusstraße; wo heute die Magnusstraße ist, war früher die Friesenstraße, mit einem leicht anderen Verlauf. Aber hier geht es nur um wenige Meter, grundsätzlich treffen unsere Erkenntnisse zu.

Natürlich sind auch sie nicht spektakulär. Aber vielleicht doch interessant – wenn man sich vorstellt, was für ein Trubel hier früher geherrscht haben mag, welches Miteinander und Durcheinander von Wohnen und Arbeiten, und wie beides ganz konkret ausgesehen haben mag.

Und sie bieten uns weitere Möglichkeiten, gerade heute, wo vielleicht mancher für eine Abwechslung dankbar ist.

Wer mag, kann sich selbst einmal an die Historischen Adressbücher machen (http://wiki-de.genealogy.net/Kategorie:Adressbuch_f%C3%BCr_K%C3%B6ln); im ersten Teil eines Bandes bzw. im ersten von zwei Bänden findet man die Namen der Bewohner, im zweiten die Adressen nach Straßen sortiert, jeweils alphabetisch. Die Suche ist zwar etwas mühsam, da es keine Suchfunktion gibt. Aber man kann schauen, wo die Urgroßeltern gewohnt haben. Oder ob es das eigene Haus überhaupt schon gab und wer darin wohnte.

Und wenn man wissen will, wie es dort aussah, dann kann man im „Bilderbuch Köln“ nach alten Fotos suchen (https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Bilderbuch+K%C3%B6ln). Hier findet sich eine große Sammlung von historischen Fotos aus den Beständen des Stadtkonservators Köln. Zwar gibt es nicht von allen Straßen und Häusern Bilder, aber doch von vielen. Und man kann auch nach anderen Orten suchen, die man kennt.

Vielleicht kann sich der ein oder andere damit die Zeit etwas vertreiben oder sogar interessante Eindrücke sammeln – allein dafür würde es sich lohnen.

Ez

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