Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

Aufgrund der Pandemiesituation konnte das Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht in diesem Jahr leider nicht in größerem Rahmen stattfinden, sondern nur individuell. Dennoch legten Schülerinnen und Schüler und Angehörige des Kollegiums Kerzen und Blumen nieder, um so den Opfern des Nationalsozialismus, darunter auch unseren mit einem Stolperstein geehrten ehemaligen Schülerinnen, zu gedenken.

So hat die KLS trotz erschwerter Bedingungen auch in diesem Jahr wieder ein weithin sichtbares Zeichen gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung gesetzt – unübersehbar insbesondere für jeden, der nach Einbruch der Dunkelheit an der KLS vorbeigegangen ist.

Und warum wir das tun – das hat eine der Stolpersteinpatinnen so treffend auf den Punkt gebracht, dass wir sie hier einfach zitieren möchten:

Warum ich eine Patenschaft übernehme (von Luzi R., 8b)

Eigentlich fing alles damit an, dass meine Oma einen Stolperstein spenden wollte. Ich hatte bis dahin nicht so viel damit tun, außer dass ich bei den letzten Stolpersteinverlegungen zugesehen hatte und meine Klasse einmal Pate für einen Stein gewesen war.

Jetzt gab es zwei Gründe, warum ich mich dafür entschieden habe, selber Patin für den gespendeten Stein meiner Oma zu werden:

Erstens wusste ich, dass es meiner Oma mit ihren 75 Jahren eine riesige Freude machen würde und zweitens, dass ich es sehr wichtig finde, an die Geschehnisse der NS-Zeit zu erinnern und an die Opfer zu denken.

Ich bin jetzt seit 3,5 Jahren an der KLS und ich werde wohl auch noch ein bisschen dort bleiben. Und in der verbleibenden Zeit möchte ich dazu bei­tragen, dass die KLS eine Schule ohne Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art ist. Und wenn ich von dieser Schule gehe, will ich mich um­drehen und sehen, dass ein kleiner Teil von mir, meiner Oma und Marie Rheé dort verweilen wird.

Mir gefällt es, dass ich Patin für genau diesen Stein bin, da Marie Rheé eine Überlebende war und sich Parallelen zu meiner Familie ergaben.

Marie Rheé und ich sind beide Schülerinnen der KLS, sie machte dort ihr Abitur, und ich schließe es für mich zumindest nicht aus.

Maries Vater war Jurist, genauso wie meine Mutter. Und Marie war wie ich kein Einzelkind.

Neben diesen Parallelen hat mich besonders gefreut und fasziniert, dass Marie Rheé nicht getötet wurde, sondern überlebte und erst kurz vor mei­nem 7. Geburtstag 2013 in Stuttgart mit 90 Jahren starb. Auch wenn sie und ihre Familie verfolgt worden sind und sie sich in jungen Jahren schon in so großer Gefahr befand - was ihr sogar bewusst war - so entkam sie dennoch der Ermordung.

Der Stolperstein soll natürlich an Marie Rheé erinnern, jedoch ist es mir auch sehr wichtig, dass er in der heutigen Zeit die Schüler/innen und Leh­rer/innen der KLS mahnt, aufeinander aufzupassen und so eine schreckli­che Art der Ausgrenzung und des Hasses niemals wieder zuzulassen. Dass wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir die Individualität der Menschen auf der KLS achten und vielleicht sogar fördern. Wir sollten wachsam blei­ben gegenüber jeder Form von Ausgrenzung (sei es das Geschlecht, das Aussehen, die Sexualität, der Glaube oder die Herkunft) und frühzeitig für­einander Partei ergreifen und die KLS so zu einem Ort zu machen, an dem sich jede/r willkommen, wohl und heimisch fühlt.

Und genau dafür würde ich den Stolperstein für Marie sogar während einer Mathearbeit putzen.

 

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