Heimspiel für Selim Özdoğan

„Heimspiel” für Selim Özdoğan am 20. Mai 2026 an der KLS. Denn Özdoğan ist ein Kölner Autor und über das Projekt „Heimspiel“ des Kölner Literaturhauses konnten wir im PZ auf großer Bühne seiner Lesung lauschen.

Dabei stellte er seinen noch unveröffentlichten Roman vor und sprach mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 über das Schreiben, seinen Beruf und seinen Lebensweg. Der vorgestellte Roman erzählt von einem Jungen, der mit seinem Vater in einem Neubaugebiet lebt. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, da der Vater alkoholabhängig ist. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Familie, Einsamkeit, Zugehörigkeit und das Erwachsenwerden.

Besonders spannend war die anschließende Fragerunde. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, um mehr über Özdoğans Leben als Autor zu erfahren. Er erzählte, dass er bereits seit rund 30 Jahren schreibt und inzwischen mehr als 20 Bücher veröffentlicht hat. Mit dem Schreiben begann er im Alter von 21 Jahren. Schon als Grundschüler faszinierte ihn die Vorstellung, Autor zu werden. Zuvor studierte er Philosophie, Englisch und Geschichte, brach das Studium jedoch ab. Während seiner Studienzeit arbeitete er unter anderem in einem Coffeeshop. Seine Eltern hätten sich damals einen sichereren Beruf für ihn gewünscht, dennoch entschied er sich für den Weg als Schriftsteller.


Özdoğan sprach auch über die Entstehung seiner Bücher. Ideen für Geschichten entstehen seiner Meinung nach auf ganz unterschiedliche Weise und lassen sich nicht auf eine bestimmte Quelle zurückführen. Eine feste Botschaft wolle er seinen Leserinnen und Lesern nicht vermitteln. Wenn man anderen Menschen etwas beibringen oder vermitteln wolle, müsse man sich selbst für besser halten als andere. Literatur habe für ihn daher nicht die Aufgabe zu belehren, sondern Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.


Auch das Thema Künstliche Intelligenz wurde angesprochen. Özdoğan berichtete, dass er früher überhaupt keine KI genutzt habe, inzwischen würde er täglich damit arbeiten und sogar zwei KI-Programme gleichzeitig verwenden. Er bezeichnete mit KI erstellte Bücher als Gebrauchsliteratur und vermutet, dass viele Menschen solche Texte in Zukunft interessant finden werden. Er habe keine Angst davor, als Autor ersetzt zu werden, doch Veränderungen erwartet er in der Zusammenarbeit zwischen Autoren und den Verlagen, da KI für Verlage günstiger sein könnte als die Arbeit mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern.


Offen sprach der Autor außerdem über Herausforderungen seines Berufs. Ablehnungen gehörten zum Alltag von Schriftstellerinnen und Schriftstellern und seien nichts Außergewöhnliches. Während der Corona-Pandemie habe er sogar mit einem neuen Buch angefangen und dieses aufgehört weiter zu schreiben. Zwei bis drei unveröffentlichte Romane lägen auch noch bei ihm zu Hause. Trotzdem betonte er, dass man niemals aufhören sollte.

Interessant waren auch seine Aussagen zum Literaturbetrieb. Er habe darin über die Jahre gute Freundschaften geschlossen. Trotzdem seien seine Freundschaften oft von Konkurrenz geprägt. Er bezeichnet sich und seine Freunde auch als „komisch“, da es keine Konkurrenz zwischen Freunden geben sollte. Er wolle, dass man sich gegenseitig unterstützt, doch er habe beobachtet, dass viele jüngere Autorinnen und Autoren lieber allein arbeiten und ihren Schreibprozess für sich behalten.

Ein Schüler fragte außerdem, wie viel ein Buch kosten sollte. Özdoğan antwortete, dass Bücher seiner Meinung nach am besten gar nichts kosten sollten. Doch sie hätten einen Wert, und für die Arbeit, die in einem Buch steckt, müsse es eine Gegenleistung geben.

Ein weiteres Gesprächsthema war die Einsamkeit, die viele Menschen besonders in ihrer Jugend erleben. Özdoğan berichtete von eigenen Erfahrungen und machte deutlich, dass schwierige Zeiten oft Geduld brauchen und nicht von heute auf morgen verschwinden.

Die offene Atmosphäre und die vielen persönlichen Fragen machten die Lesung zu einem besonderen Erlebnis. Viele Schülerinnen und Schüler erhielten spannende Einblicke in den Alltag eines Autors und wurden neugierig auf den vorgestellten, noch unveröffentlichten Roman.

Liyya und Greta, 10b

 

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