Gedenkbuch

Viele Angehörige der KLS wurden Opfer der NS-Diktatur - vor allem jüdische Mitschülerinnen und Lehrkräfte, aber auch andere Verfolgte, die entrechtet und gedemütigt, beraubt und vertrieben wurden, die nahe Angehörige oder – im schlimmsten Falle – selbst das Leben verloren haben.

Für sie alle möchten wir Stolpersteine verlegen lassen. Allerdings ist dies – aus verschiedenen Gründen – nicht in jedem Fall möglich, zudem ist die Aussage dieser Steine notwendigerweise sehr begrenzt.

Deshalb werden wir auf dieser Seite die Biographien der Opfer veröffentlichen, die von den Projektkursen Geschichte erforscht worden sind oder weiterhin erforscht werden. So geben wir den Opfern wenigstens ein Stück ihrer Identität und damit ihrer Würde zurück. Und sie mahnen uns, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde zu verteidigen und gegen jede Form von Ausgrenzung und Rassismus vorzugehen.

Erweisen auch Sie den Opfern die Ehre, indem Sie sie nicht vergessen.

Ermordete


Die Geschwister Rita (* 05.07.1923) und Richard (* 03.10.1924) waren selbst nicht Schüler der KLS. Aber sie waren Cousin und Cousine von Elsie Berg und gehörten damit im weiteren Sinne auch zur Schulgemeinschaft der KLS. Vor allem aber sind sie uns Vorbilder in ihrem aktiven Kampf gegen das NS-Regime, der sie das Leben kostete - wie auf andere Weise auch ihre Cousine Elsie.  mehr

Elsie (* 25.02.1923) stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, der unter anderem eine bekannte Kölner Brauerei gehörte. Sie besuchte die KLS wohl von 1934 bis 1938, gemeinsam mit ihren jüdischen Mitschülerinnen Eva Alsberg, Doritta Sternschuss und Ellen Süskind. Die anderen drei konnten fliehen, Elsie jedoch wurde kurz vor ihrem 20. Geburtstag ermordet - wie auch der größte Teil ihrer Familie.  mehr

Ilse (* 23.02.1900) wollte schon immer Lehrerin werden. Nach dem Abitur an der Kaiserin-Augusta-Schule studierte sie daher Deutsch und Geschichte in Köln, Bonn und Rostock und legte 1931 die Erste Lehramtsprüfung ab. Im Oktober 1932 kam sie als Referendarin an die KLS. Ilse gehörte nie der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Dennoch wurde sie im Frühjahr 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus dem Schuldienst entlassen.  mehr

Charlotte (* 17.01.1907) machte 1927 das Abitur an der KLS und arbeitete bis zu ihrer Heirat als Volksschullehrerin im jüdischen Schulwesen. Sie gehörte zu den ersten Opfern der Deportationen und wurde bereits im Oktober 1938 abgeschoben, im Zuge der so genannten "Polenaktion", dem Vorspiel zur Reichspogromnacht. In weiser Voraussicht ließ sie ihren kleinen Sohn bei Freunden zurück. So konnte er überleben - seine Eltern sah er allerdings nie mehr wieder.    mehr

"Eine mutige und selbstlose Frau, eine Jüdin, die vielen anderen in trübsten Zeiten der Nazigewaltherrschaft mit Rat und Tat geholfen hat. Durch Denunziation und Verzweiflung wurde sie in den Tod getrieben. Dieser Gedenkstein, 50 Jahre später erstellt, soll Zeuge dessen sein, dass wir immer noch um unsere Mutter trauern. Alice, Du warst unser Liebstes und sollst nie vergessen sein.“ So wollten die Kinder Sylvia und Gunter, deren Leben sie gerettet hat, an ihre Mutter erinnern. Vom Leben und vom beeindruckenden Charakter seiner Mutter hat uns Gunter selbst in berührender Weise berichtet.  mehr

Paula (* 19.06.1876) besuchte das Lehrerinnenseminar der KLS und machte für eine Frau ihrer Generation eine eindrucksvolle Karriere bis hin zur ersten weiblichen Konrektorin Kölns. Darüber hinaus engagierte sie sich sehr stark in der jüdischen Gemeinde, sowohl für den Zionismus als auch besonders für die Stärkung der Frauenrechte. Der Preis für diese Karriere bestand - auch das typisch für die Zeit - im Verzicht auf Ehe und Familie.   mehr

Regina (* 12.08.1913) besuchte die Frauenoberschule der KLS und legte Ostern 1933 ihr Abitur in der "hauswirtschaftlichen Form" ab. 1939 floh sie in die Niederlande, doch brachte ihr dies keine Rettung. Ihre Eltern und Geschwister konnten entkommen, Regina jedoch wurde mit ihrem Ehemann und ihrer einjährigen Tochter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.  mehr

Liese Lotte (* 25.08.1923) war die jüngere Tochter des renommierten Kölner Gynäkologen Max Samuel. Sie wurde gemeinsam mit ihren Eltern in Auschwitz ermordet. Nur ihre ältere Schwester Hannah Liese und ihr Bruder überlebten, da sie rechtzeitig fliehen konnten. Besonders tragisch ist auch die Rolle, die ihr Vater als jüdischer Arzt im berüchtigten "Block 10" in Auschwitz spielte.  mehr

Irmgard (* 04.12.1907) machte 1927 ihr Abitur an der KLS. Sie wohnte in Wuppertal, wo ihr Vater als Chemiker bei Bayer arbeitete. Irmgard war also eine der "Fahrschülerinnen", die jeden Tag von außerhalb kamen. 1936 starb Irmgards Mutter nach langer Krankheit. Vielleicht verhinderte dies, dass die Familie rechtzeitig fliehen konnte. So wurden Irmgard und ihr Vater schließlich deportiert und in Chelmno ermordet.  mehr

Überlebende


Eva (* 12.07.1924) war die Tochter des "Warenhausmagnaten" Alfred Alsberg. Sie besuchte die KLS wohl von 1934 bis 1938, gemeinsam mit ihren jüdischen Mitschülerinnen Elsie Berg, Doritta Sternschuss und Ellen Süskind. 1939 konnte Eva mit einem Kindertransport nach England fliehen, ebenso ihre beiden Brüder. Die Eltern wurden jedoch nach Litzmannstadt deportiert und ermordet. Obwohl man Eva alles genommen hatte, gelang es ihr, sich auf Jamaica eine neue Existenz aufzubauen.  mehr

"Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, nimmer sich beugen, mutig sich zeigen“. Elsbeth (* 16.06.1905) ist diesem Wahlspruch immer treu geblieben – zuerst gegenüber der Verwandtschaft, die kein Verständnis dafür hatte, dass ein Mädchen Abitur machen und auch noch Jura studieren wollte – dann als verfolgte „Halbjüdin“, die von ihrer jüdischen Herkunft gar nichts wusste und nur im Untergrund überleben konnte – und schließlich als erste Frau unter den bedeutendsten Strafverteidigern der Nachkriegszeit.  mehr

Thea (* 20.4.1909) strebte nicht das Abitur an, sondern besuchte die KLS wegen der anderen Möglichkeiten, die sich hier boten. So legte sie 1928 nach zwei Jahren Frauenschule die Prüfung zur Kindergärtnerin ab. Bereits vor 1933 zog sie in die Niederlande und heiratete. Sie selbst konnte später der deutschen Besatzung entkommen - ihre Mutter, ihre Schwester und weitere Verwandte wurden jedoch in Auschwitz und Sobibor ermordet.   mehr

Charlotte (* 05.04.1920) besuchte die KLS vermutlich von 1930 bis 1933. Ihre Schulkarriere verlief jedoch nicht geradlinig. Sie wechselte mehrfach die Schule und besuchte zuletzt die Höhere Handelsschule. 1939 gelang ihr die Flucht nach Belgien, wo sie heiratete und wohl im Untergrund die deutsche Besatzung überlebte. Viele Angehörige, darunter ihr Bruder, wurden jedoch ermordet.  mehr

Maria (* 15.03.1919) war die Tochter von Kurt Frankenstein, Chefarzt am evangelischen Krankenhaus Kalk. Beide Eltern gehörten seit langer Zeit der protestantischen Kirche an, auch Maria war evangelisch getauft und erzogen. Dennoch galt sie den Nazis als „Volljüdin“. Sie selbst gelangte mit einem Kindertransport nach England, auch ihr Bruder konnte entkommen. Die Eltern überlebten die NS-Diktatur jedoch nicht.   mehr

Marianne (* 18.06.1927) war die Tochter des katholischen Widerständlers Nikolaus Groß, der noch im Januar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Marianne war nicht offiziell Schülerin der KLS, sondern besuchte die Ursulinenschule. Aufgrund der besonderen Umstände im Krieg fand der Unterricht jedoch über längere Zeit im Gebäude der KLS statt, beide Schulen waren gemeinsam in der Kinderlandschickung auf Usedom.  mehr

"Wir sind jetzt schon 7 Wochen hier & fangen an uns allmählich einzugewöhnen.“ So schrieb Stephanies Mutter nach ihrer Deportation 1941 aus dem Ghetto Litzmannstadt. 3 Wochen später wurde sie ermordet, wenig später auch ihr Ehemann. Stephanie (* 01.01.1903) hatte bereits 1939 mit Mann und Sohn in die USA fliehen können. Alle verzweifelten Versuche, ihre Eltern nachzuholen, scheiterten jedoch.  mehr

Sophie (* 26.02.1905) besuchte die KLS bereits ab den Grundschulklassen. Ihr Vater betrieb eines der vielen jüdischen Geschäfte im Umfeld der Schule - „Herrenmoden Marx“ auf der Ehrenstraße. Nach Zerstörung der Existenz und dem frühen Tod der Eltern konnte Sophie 1939 nach England fliehen. Hier drohte ihr jedoch nach Kriegsbeginn die Internierung als „Female Enemy Alien“ – für die Nazis eine „Jüdin“ war sie in England in erster Linie „Deutsche“.   mehr

Marie (* 11.09.1922) konnte als vermutlich letztes Mädchen jüdischer Herkunft – in der schrecklichen Sprache der Nazis „jüdischer Mischling 1. Grades“ – Ostern 1941 ihr Abitur an der KLS absolvieren. Im nächsten Jahr war dies auch für Kinder aus so genannten „Mischehen“ nicht mehr möglich. Den Krieg überlebten Marie und ihre Eltern dank der Unterstützung von Freunden im Untergrund.  mehr

Edith (* 17.09.1908) war wirklich ein „modernes“ Mädchen. Schon das Abitur war 1928 noch keineswegs die Regel. Noch viel weniger galt dies für ein Studium der Theaterwissenschaften. Und dann erwarb sie auch noch die „Ermächtigung zum Führen von Verbrennungsmaschinen der Klasse 3b“ – den Führerschein. Dies alles machten die Nazis zunichte – doch durch frühzeitige Flucht konnte sich die gesamte Familie retten und fand eine neue Heimat in Chile  mehr

Hannah Liese (* 29.06.1920 ) war die ältere Tochter des renommierten Kölner Gynäkologen Max Samuel. Nur sie und ihr Bruder überlebten, da sie rechtzeitig fliehen konnten. Ihre Eltern und ihre jüngere Schwester Liese Lotte wurden ermordet. Besonders tragisch war auch die Rolle, die ihr Vater als jüdischer Arzt im berüchtigten "Block 10" in Auschwitz spielte.    mehr

Bertha (* 07.03.1901) war ein schon früh aufleuchtender Stern unter den Nachwuchsdesignern. Noch als Schülerin der KLS besuchte sie während der Kölner Werkbundausstellung 1914 Kurse an der „Kunstgewerbe- und Handwerksschule“. Als „begabteste junge Innenarchitektin in Deutschland“ führte ihr Weg sie bald bis in die berühmten „Wiener Werkstätten“. Diese vielversprechende Karriere wurde durch die Nazis zerstört und konnte auch nach der Flucht nach England nicht fortgesetzt werden.  mehr

Thea (* 24.10.1908) legte 1928 die Abiturprüfung an der KLS ab mit dem Ziel, anschließend Zahnmedizin zu studieren. Bereits im folgenden Jahr emigrierte sie jedoch nach England und heiratete dort. Sie selbst blieb daher von der Verfolgung durch die Nazis verschont – anders als zahlreiche Mitglieder ihrer Familie.  mehr

Doritta (* 16.08.1923) besuchte die KLS wohl von 1934 bis 1938, gemeinsam mit ihren jüdischen Mitschülerinnen Eva Alsberg, Elsie Berg und Ellen Süskind. Wie Eva konnte auch Doritta mit einem Kindertransport entkommen. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder wurden in Auschwitz und Dachau ermordet. Doritta überlebte untergetaucht in Frankreich und fand dort eine neue Heimat.  mehr

Ellen (* 06.07.1923) besuchte die KLS wohl von 1934 bis 1938, gemeinsam mit ihren jüdischen Mitschülerinnen Eva Alsberg, Elsie Berg und Doritta Sternschuss; die Familien von Ellen und Elsie wohnten sogar im selben Haus. Von den vier Klassenkameradinnen gelang es nur Ellen, gemeinsam mit ihren Eltern zu entkommen. Die Familie floh 1939 zunächst nach England, dann in die USA.  mehr

Liselotte (* 07.12.1930) besuchte die KLS ab Herbst 1941 – unter Verschleierung ihrer Herkunft, um ihren jüdischen Vater und sie selbst als „jüdischen Mischling“ vor Verfolgung zu schützen. Bereits nach wenigen Monaten wich die Familie aber ins Bergische aus und konnte später im Untergrund überleben. Welche Spuren eine Kindheit voller Diskriminierung, Angst und Bedrohung in Liselottes Seele hinterlassen hat, können wir nur ahnen.   mehr

Frontfrau des politischen Katholizismus durch vier politische Systeme, Kämpferin für Frauenrechte, Opfer der Nazis - Keine ehemalige Schülerin der KLS erscheint so prominent im Kölner Stadtbild wie Christine Teusch (1888 – 1968): Kommt man vom Bahnhof Ehrenfeld, trifft man auf den Christine-Teusch-Platz. Kommt man vom Heumarkt, sieht man ihre Statue am Rathausturm unter den „um die Stadt verdienten Persönlichkeiten“. Doch erscheint sie auch uns als das Vorbild, als das sie in der Öffentlichkeit präsentiert wird?  mehr